Reisetagebuch Spitzbergen Sommer 2006

Samstag, 19. August 2006

Über Nacht sind wir um die Südspitze Spitzbergens herumgefahren und nun sind wir an einer Inselgruppe südlich von Edgeøya. Wir landen mit den Zodiacs auf Ækongen. Diese Insel ist recht flach und nicht gerade groß. An der Landestelle (Waypoint 56) befindet sich ein Walgerippe das irgendjemand aus den reichlich herumliegenden Knochen zusammengesetzt hat. Die Knochen stammen sicher noch aus der Walfängerzeit. Wir wandern um die ganze Insel, was bei dieser Ausdehnung nicht weiter schwierig ist. Dabei finden wir noch etliche Knochen von Walen und Eisbären sowie die Reste eines toten Eisbärs. Er hat sicher als Futter für andere Tiere gedient und liegt sicher schon einige Jahre hier bei kühlschrankartigen Temperaturen.


Ein Walgerippe aus den herumliegenden Knochen zusammengesetzt


Auch Blumen gibt es in der Arktis


Landschaft auf Ækongen


Eisbärenschädel


Eisbärenknochen

Wir bleiben noch etwas in der Gegend und nach dem Mittagessen auf dem Schiff gibt es eine weitere Zodiactour. Eigentlich wollten wir auf Delitschøya landen und Walrösser beobachten aber an Land ist ein Eisbär und so fällt die Landung aus. Dafür können wir vor Delischøya (Waypoint 57) die Walrösser im Wasser beobachten. Wenn man sich ihnen ganz langsam mit dem Boot nähert werden sie neugierig und kommen ganz von selbst immer dichter heran. Plötzlich interessiert sich eine ganze Gruppe für uns und einer inspiziert unseren Bootsmotor gründlich aus etwa einem halben Meter Entfernung. Es ist einfach großartig diese riesigen Tiere so beobachten zu können. Das Wetter ist leider nicht so toll, Wind und Regen machen es zu einem arktisch kalten Erlebnis. Aber sind wir nicht gerade gekommen um die Arktis zu erleben?

Dann landen wir auf Edgeoya, Andréetangen. Hier wurde früher der Blubber von Walen und Walrössern gekocht, heute findet man noch einige Reste der damaligen Anlagen (Waypoint 58).


Laura, Hilary, John

GPS-Waypoints (WGS 84):
Waypoint 56: 77 16.780' N, 21 24.901' E
Waypoint 57: 77 23.677' N, 22 33.974' E
Waypoint 58: 77 23.003' N, 22 28.274' E

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Die Begegnung mit den Walrössern hat mich einfach fasziniert, es sind seltsame und interessante Tiere. Ich glaube sie haben sich genauso für uns wie wir uns für sie interessiert. Das hat mich zu einer kurzen Geschichte inspiriert:

Schubsen ist verboten!

Teil 1

Unser Expediotionsleiter erklärte uns wie wir uns nach der Landung den Walrössern nähern sollten um sie nicht zu verscheuchen:
Langsam und ruhig sollten wir wie eine breite Wand nebeneinander auf sie zu gehen und er wollte, falls die Tiere unruhig werden, ein Zeichen zum Warten geben damit sie sich langsam an uns gewöhnen. Leider verhinderte jedoch ein Eisbär an Land unsere Landung so dass wir diese interessanten Tiere im Wasser, ihrem eigentlichen Element, beobachteten. Die Begegnung mit ihnen war faszinierend und es hat uns noch lange beschäftigt.

Teil 2

Es war ein bedeckter, kühler und regnerischer Tag über Delitschøya, einer kleinen und wenig bekannten Insel im Südosten der arktischen Inselgruppe Svalbard. Uaarchch war gerade mit seiner Gruppe am Strand und dachte über das Leben in der Arktis im Speziellen und Allgemeinen sowie über das leben woanders nach als plötzlich das weiße Schiff am Horizont erschien. Da kommen sie wieder... Eigentlich sind sie ja recht interessant. Seltsam zwar, aber irgendwie interessant. Die Anderen sollten sie auch gesehen haben, man muss aber genau wissen wie man das macht, sonst kommen sie nicht oder flüchten weil sie Angst bekommen.

"Also", instruierte er seine Leute, "wir warten bis sie sich auf ihren Zodiacs uns etwas genähert haben und dann zeigen wir uns kurz als Gruppe. Dann alle abtauchen. Sobald die Motoren ruhiger sind nähern wir uns. Aber ganz leise, langsam und als Gruppe, ich vorneweg". "Und dann?" "Auftauchen, beobachten, immer näher ran ans Boot!" "Tun sie uns auch wirklich nichts?" " Sie sind nicht besonders aggressiv. Meistens eher harmlos. Aber schubst die Boote bloß nicht!" "Warum? Das macht doch Spaß!" " Nein! Das ist streng verboten! Sie stehen unter Schutz! Wenn sie ins Wasser fallen stellen sie sich furchtbar ungeschickt an, manchmal erfrieren sie sogar, also: NICHT SCHUBSEN!" "OK."

Es wurde eine faszinierende Begegnung zwischen der Gruppe mit ihrem Leiter Uaarchch und den eigentümlichen Wesen auf ihren Booten. Lange dachte er noch darüber nach und fand dass das Leben ausserhalb der Arktis sehr seltsam sein muss. Dann war es wieder ein bedeckter, kühler und regnerischer Tag über Delitschøya.


Uaarchch (links) mit seiner Gruppe

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Klaus-Dieter Friedrich , September 2006    Datenschutzerklärung